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Die Geschichte des deutschen Animationsfilms

 

 

 

„Trick, korrekter gesagt Animationsfilme sind etwas für Kinder?“ Das ist ein von den frühen Disney-Filmen geprägtes Klischee, aber so nicht exakt und somit falsch. Welche Vielfalt diese Gattung des Films seit den 20er-Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart bietet, soll diese Seite verdeutlichen.

In kaum einem Genre spiegeln sich die Vielfalt und die Widersprüche deutscher Filmproduktion so deutlich wider wie im Animationsfilm. Animare aus dem lateinischen  „zum Leben erwecken“ hergeleitet. Animationsfilm bedeutet sinngemäß - leblosem Material - Geist und Seele einhauchen, es zum Leben erwecken…

Man unterscheidet:  Zeichentrick, Legetrick, Puppentrick, Silhouetten/Schatten-Trick, Modell-und Lego-Animation!

Der erste erhaltene Animationsfilm aus Deutschland ist der Werbefilm - PROSIT NEUJAHR 1910!  Er läutet das enge Wechselverhältnis von Animation und Werbung ein.

Auch die Silhouetten Filme einer Lotte Reiniger haben den Animationsfilm der Weima­rer Zeit (1919-1933) maßgeblich geprägt und eine zeitlose Ästhetik geschaffen. In ihren Filmen hat sie ein eigenes unterhaltsames, kulturgeschichtliches Universum geschaffen.

 

Zudem schuf sie mit Die Abenteuer des Prinzen

Achmed   den ersten abendfüllenden Animationsfilm

der Filmgeschichte! 

 

 

 

  

 

Hitlers persönliche Begeisterung für den Trickfilm ist nicht nur aus den Tagebucheintragungen von Joseph Goebbels bekannt. Beiden schwebte vor, ein deutsches Pendant zu Walt Disney zu schaffen. Um es gleich mal vorweg zu nehmen, es gelang trotz vieler Bemühungen nicht.

Nach dem Vorbild der Disney-Studios in Hollywood gründete Goebbels 1941 in Berlin Deutschlands eigene Comic-Produktion: die Deutsche Zeichenfilm GmbH. „Tatsächlich brachten Goebbels' Comic-Zeichner bis 1945 gerade einen einzigen Kurzfilm zustande: Armer Hansi  erzählte die belanglose Geschichte eines Kanarienvogels, der aus seinem Käfig ausbricht.

Ein Screenshot aus dem Film - Armer HansiEin Screenshot aus dem Film - Armer Hansi

 

Die sieben Raben  aus dem Jahr 1937 ist der erste deutsche längere Puppentrickfilm. Er basiert auf dem gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm. Der zweite Film der unter dem Signet der Deutschen Zeichenfilm GmbH fertiggestellt wurde hieß Schnuff, der Nieser. Es handelt sich um die grotesken Abenteuer einer Hündin mit ihren fünf Welpen. Doch beim Transport von Dachau nach Berlin erlitt das Material durch einen Bombenangriff erheblichen Schaden, so dass er während des NS-Zeit nicht mehr ‚repariert‘ werden konnte. Später, genauer 1946 wurden die Überbleibsel mit Hilfe der Deutschen Film AG (DEFA) durch Gerhard Fieber (1916-2013) und ‚seinen‘ 20 Zeichnern restauriert. So wurde aus Schnuff, der NieserPurzelbaum ins Leben. Der dritte Animationsfilm unter Goebbels Leitung, ein Musikfilm Walzermärchen  (Arbeitstitel), der auf humoristische Weise die Entstehung des Walzers (des 3/4 Taktes aus dem 4/4 Takt) behandeln sollte, kam über erste Skizzenzeichnungen nicht hinaus.

Auch nach dem Ende der Nazizeit gab es eine filmhandwerkliche Kontinuität sowohl im westdeutschen Kino als auch bei den DEFA-Filmen. Filmmusiker wie Wolfgang Zeller, der noch die Musik für JUD SÜSS  geschrieben hatte, komponierten später  für antifaschistische Produktionen wie EHE IM SCHATTEN , 1947.

Doch auch außerhalb der staatlich subventionierten Animationsfilmproduktion, partizipierten mit Hans Fischerkoesen oder Manfred Schmidt auch Filmemacher, die im Nachkriegsdeutschland überaus erfolgreich waren.

Trickfilm in der DDR, aus dem staatlichen DEFA-Studio in Dresden, ist weit mehr als Kinderfilm. Bei allen künstlerischen Reibungen, die aus der spezifischen Situation jener Zeit resultieren, ist eines auffällig - das hohe handwerkliche Niveau sehr vieler Filme.

Aus einer Gaststätte in Dresden-Gorbitz wurde das Trickfilmstudio der DEFA. Aus einer Gaststätte in Dresden-Gorbitz wurde das Trickfilmstudio der DEFA.

 

So sieht das Gebäude heute, 2016 aus.So sieht das Gebäude heute, 2016 aus.

 

 

 

 

 

 

 

Mit dem Fall der Mauer veränderte sich auch die deutsche Animationslandschaft. Das DEFA-Trickfilmstudio in Dresden wurde geschlossen, nachdem der Versuch gescheitert war, das Studio unter neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiterzuführen. Neue Filmhochschulen (Ludwigsburg, Köln) wurden gegründet.

Dank der modernen Technik sind selbst heutzutage noch einige Filmperlen erhalten geblieben bzw. restauriert und digitalisiert wurden. Selbst Purzelbaum ins Leben  ist in den Archiven noch vorhanden.

Erinnern möchte ich auch an die drei Filmjuwelen von Hans Fischerkoesen aus den 1940er Jahren: Die Verwitterte Melodie, Der Schneemann  und Das dumme Gänslein  sowie an die erfolgreichen DEFA/DDR TV-Serien: Jan und Tini auf Reisen , Feuerwehr Felicitas , Theo, der  Arbeitschutz-Mann und über den absoluten Star in Ost wie West: Das Sandmännchen  muss man nicht viele Worte verlieren.

Gerhard Behrendt (1929-2006) der Erfinder des Sand- und Messemännchens.

 

 

 

 

Eine Wundertüte der Animation, ist die Verwitterte Melodie

aus der Feder des Meisters Hans Fischerkoesen!

Im Folgenden drei Screenshots aus dem Film!

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieser sowie zwei weitere Raritäten - Der Schneemann  & Das dumme Gänslein befinden sich in meinem privaten Film-Archiv!

 

Bislang zweimal wurden mit dem Academy Award – besser bekannt als „Oscar“ – Animationsfilme ausgezeichnet. So gewannen die Brüder Christoph und Wolfgang Lauenstein 1990 mit Balance  den begehrten ‚Goldjungen‘ für den besten animierten Kurzfilm. Thomas Stellmach bekam die begehrte Filmtrophäe sieben Jahre später für seinen Stop-Motion-Film Quest - Herausforderung.